Eine aktuelle bevölkerungsbasierte Studie aus Norwegen hat untersucht, ob belastende Kindheitserfahrungen und Zahnarztangst bei Jugendlichen zusammenhängen. Die Ergebnisse der Young-HUNT4-Erhebung, veröffentlicht im Fachjournal BMC Oral Health, basieren auf Daten von 5.882 Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren.
Was sind belastende Kindheitserfahrungen?
In der Forschung werden diese Erfahrungen als Adverse Childhood Experiences (ACEs) bezeichnet. Dazu zählen unter anderem körperliche oder sexuelle Gewalt, das Miterleben von häuslicher Gewalt, Scheidung der Eltern, Alkoholprobleme eines Elternteils und Mobbing.
Zwei Gruppen im Vergleich
Die Forscher teilten die Jugendlichen in zwei Gruppen: jene, die mindestens eine solche Belastung erlebt hatten, und jene ohne entsprechende Erfahrungen. Dann verglichen sie, wie häufig in beiden Gruppen Zahnarztangst auftrat. Das Ergebnis: Jugendliche mit mindestens einer belastenden Erfahrung entwickelten um 74 Prozent häufiger Zahnarztangst als Gleichaltrige ohne solche Erlebnisse. Je mehr verschiedene Belastungen vorlagen, desto weiter stieg das Risiko, um zusätzliche 24 Prozent pro weiterer Belastungsart.
Mädchen stärker betroffen
Insgesamt berichteten 8,0 Prozent der Mädchen von Zahnarztangst, bei den Jungen waren es nur 2,7 Prozent. Doch auch innerhalb der belasteten Gruppe zeigte sich ein Geschlechterunterschied: Mädchen mit mindestens einer belastenden Erfahrung hatten ein um 93 Prozent höheres Risiko als Mädchen ohne solche Erlebnisse. Bei Jungen war dieser Zusammenhang schwächer und statistisch nicht eindeutig belegbar.
Wer Angst hat, geht seltener zum Zahnarzt
Die Studie untersuchte auch, ob Zahnarztangst sich auf die Zahngesundheit auswirkt. Die Überlegung: Wer Angst vor dem Zahnarzt hat, vermeidet Kontrolltermine und unbehandelte Probleme können sich verschlechtern. Tatsächlich konnten die Forscher zeigen, dass Zahnarztangst einen Teil des Zusammenhangs zwischen Kindheitsbelastungen und Karieserfahrung erklärt. Angst betrifft also nicht nur das Erleben, sondern kann sich über vermiedene Besuche auch auf die Mundgesundheit auswirken.
Was diese Erkenntnisse für uns bei der Zahnmedizin an der Dhünn bedeuten
Wir begegnen in unserer Praxis in Odenthal regelmäßig jungen Menschen, die mit Anspannung in die Behandlung kommen. Die Studie verdeutlicht, dass hinter solchen Reaktionen oft mehr steckt als Angst vor der Spritze oder dem Bohrer.
In der Behandlungssituation können Faktoren wie das Liegen auf dem Stuhl oder das Gefühl, die Kontrolle abzugeben, bei vorbelasteten Jugendlichen unbewusst emotionale Reaktionen hervorrufen. Deshalb legen wir großen Wert auf einfühlsame Begleitung. Wir erklären jeden Schritt, geben Raum für Pausen und arbeiten in einem Tempo, das sich an den Bedürfnissen orientiert.
Unser Anliegen ist es, dass junge Menschen bei uns einen sicheren Ort erleben. Denn nur wenn Vertrauen entsteht, kann sich eine positive Einstellung zur zahnärztlichen Versorgung entwickeln. Das ist die beste Grundlage für gesunde Zähne, auch über das Jugendalter hinaus.
Sie möchten die Studienergebnisse im Detail nachlesen? Die vollständige Publikation ist frei zugänglich unter: https://bmcoralhealth.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12903-025-06486-1
